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"Soale"

Sizilien Saline, 2017

Seit 2011 arbeite ich an meinem künstlerischen fotografischen Projekt.
Eine Abbildung des Brunnens der Göttin Diane in dem Garten der Villa d´Este in Tivoli bei Rom hat mich so irritiert, das ich über diese Figur recherchiert habe. Die ursprüngliche Figur ist die Artemis von Ephesos und sie war die Göttin der Jagd und der Fruchtbarkeit. Frauen, die sich ein Kind gewünscht haben und auch Schwangere sind kurz vor der Geburt zu ihr gegangen und hofften, diese Göttin könnte ihnen helfen.
Diese Figur war später in Italien sehr populär, in der Villa Farnese gab es eine aus Marmor (ist heute im Museum in Neapel zu sehen), in Rom im Vatikan und auch im Kapitol kann man eine solche Figur finden.
Der Brunnen in dem Garten der Villa d´Este hat mich aber am meisten fasziniert, da er durch das ständige hervorbringen von Wasser aus den vielen Brustwarzen große Fruchtbarkeit und Lebendigkeit darstellt.
Bei meinen Nachforschungen stellte sich heraus, dass zu der Entstehungszeit von diesem Garten, in der Renaissance, es sehr unschick war, seine Kinder zu stillen, bzw. sie selber aufzuziehen. Das Paris der wohlhabenden Schicht muss zu dieser Zeit ziemlich Kinderleer gewesen sein, da die Kinder aus der Stadt von Ammen auf dem Land großgezogen und gestillt wurden.
Es war ein Schönheitsideal eine pralle Brust wie einen Apfel zu haben.
Diese Figur der Diane mit den vielen Brüsten ist ein Bild für unerschöpfliche Fruchtbarkeit und kraftstrotzende Weiblichkeit, aber zugleich kann dies in etwas kippen, was krankhaft, abwegig oder sogar mutiert wirkt.
2011 habe ich den Körper der Diane nachempfunden (teilweise anfertigen lassen), den man wie ein Kleidungsstück tragen kann und der dann so die Figur der Göttin Diane nachempfindet und den Körper deformiert.
Ich habe dieses „Körpertrageteil“ überall hin mitgenommen und Frauen damit in einer Landschaft fotografiert, die dann wie so eine Art Seelenbeschreibung funktionieren kann. Es war für mich selbst oft sehr peinlich mit diesem Kleid auf Frauen zuzugehen und im Zweifel von ihnen ausgelacht zu werden.
Ich habe Zimmermädchen, Rezeptionistinnen, Dorfbewohnerinnen angesprochen, später bin ich auch extra zu bestimmten Orten gefahren, um dort bestimmte Personen zu fotografieren. Ich habe Kreative fotografiert, die einen anderen Zugang zu diesem Projekt hatten.
Mich interessiert, was passiert, wenn eine solche prägnante Figur aus der Vergangenheit in die Gegenwart geholt wird.